Bester deutscher Canadier WM Teilnehmer Sideris Tasiadis

25.07.2026 13:46
von Marianne Stenglein

Bei der WM in OKC wurde Sideris Achter

 

WM USA: Sideris Tasiadis wird WM-Achter

Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben Augsburg) hat mit Platz acht die beste Leistung des deutschen Canadier-Teams bei den Kanuslalom-Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Oklahoma City gezeigt. Zwar kam der 36-Jährige ohne Torstabberührung durch den Wildwasserkanal von Riversport Rapids, aber er konnte seine gute Halbfinalzeit nicht toppen, was für einen Endlauf meist nötig ist. Im Gegenteil. Der vor ihm gestartete nun neue Weltmeister, Miquel Trave aus Spanien, hatte eine Marke gesetzt, die auch Tasiadis vor seinem eigenen Lauf nicht entgangen war. „Ich habe die Zeiten schon gewusst, da habe ich mich aber nicht unter Druck setzen lassen. Ich dachte, wenn ich einen guten Lauf hinbekomme, kann ich das auf jeden Fall auch hinbekommen“, sagte der Augsburger. Doch im unteren Streckenabschnitt habe er zweimal die Kante verloren, „dann steht das Boot erst einmal auf der Stelle und ich muss es immer wieder vorantreiben“, erklärte er seine Fahrfehler. „Und das hat mich ein bisschen geärgert, dass ich zweimal den Schwung in das nächste Auswärtstor nicht mitnehmen konnte.“ Er freue sich dennoch, dass er mit diesem Platz wichtige Punkte für den Olympia-Quotenplatz mitnehmen konnte. Silber und Bronze sicherten sich der Brite Adam Burgess und der Tscheche Lukas Kratochvil.

Der zweite deutsche Halbfinalist Lennard Tuchscherer (Leipziger KC) paddelte nach seinem souveränen Endlaufeinzug am Ende auf den zehnten Platz. Der 27-Jährige hatte gleich einen Startfehler zu verkraften, kassierte gleich am ersten Tor wegen einer Berührung zwei Strafsekunden, darüber, so sagte er, „könnte ich immer noch ein bisschen weinen“. Selbstreflektierend resümierte er: „Die anderen Athleten hier sind einfach Weltspitze, fahren Topzeiten, immer wieder“, sagte der Leipziger und ergänzte selbstkritisch, er noch viel zu tun habe, um an diese starken Leistungen heranzukommen. „Aber es hier zum Jahreshöhepunkt zu schaffen, trotzdem, auch wenn ich hinten dran bin, mitzufahren, bin ich trotzdem zufrieden.“ Zumal er mit der Mannschaft vor zwei Tagen zu WM-Bronze fahren konnte.

Ganz bitter war das Halbfinal-Aus aller drei deutschen Canadierdamen. Dabei war Andrea Herzog (Leipziger KC) mit Platz 13 ganz knapp am Endlauf vorbei geschrammt. Der 26-Jährigen fehlten 0,39 Sekunden auf den letzten Finalplatz. Ihre Clubkameradinnen Lucie Krech und Nele Bayn landeten auf den Rängen 19 und 22. Positiv: Die 22-jährige Nachwuchshoffnung und frisch gebackene U23-Weltmeisterin Lucie Krech hat sich gut geschlagen, was für die Zukunft hoffen lässt. Cheftrainer Thomas Apel sagte, „Lucie hat sehr wertvolle Erfahrung hier sammeln können. Sie hat sich mit ihrer Unbekümmertheit sehr gut präsentiert. Ihre reine Fahrzeit hätte auch für das Finale gereicht. Für ihr Alter aller Ehren wert. Ich sage, jetzt nicht darauf ausruhen, sondern weiter hart arbeiten. Dann ist, denke ich, mit Lucie in Zukunft auch zu rechnen.“ Die Damenkonkurrenz gewann die Tschechin Tereza Kneblova vor Monica Doria aus Andorra und Klaudia Zwolinska aus Polen.

Im Vorlauf bereits am Mittwoch ausgeschieden war Timo Trummer (KV Zeitz).

Cheftrainer Thomas Apel sagte, „leider ist Andrea an einem Platz gescheitert. Das setzt so ein bisschen den Trend der Saison fort.“ In Bezug auf die Olympia-Quotenplatzvergabe liegt Deutschland bei den Canadier-Damen damit aktuell auf Platz elf. Zehn Nationen bekommen am Ende einen Quotenplatz in dieser Disziplin. „Mit dem Resultat kann man in Richtung Olympia-Quali leben, aber für die WM hatten wir uns natürlich mehr vorgestellt. „Die C1-Männer – im Vorfeld viel gescholten – haben, denke ich, sehr gut ihre Lehren aus dem Vortag gezogen. Sie haben sich gute Linien bei den Kajaks abgeschaut. Es war eine sehr souveräne Vorstellung im Halbfinale.“ Die Strecke sei für die Linksschläger, was Tasiadis und Tuchscherer sind, „war die Strecke mit sehr viel Arbeit behaftet“. Aber das solle keine Entschuldigung sein, denn der Silbermedaillengewinner habe bewiesen, was möglich war. „Für Lennard und Sideris gilt es, jetzt daraus Bestätigung mitzunehmen, dass der Weg richtig ist.“ Lennard ist nun nach dem WM-Finaleinzug in Australien voriges Jahr erneut in den Endlauf gepaddelt. „Das ist eine Entwicklung, die wir gerne im Vorfeld unterschrieben hätten. Und Sideris ist auf dem Weg zurück, sich in der Weltspitze zu etablieren. Und dann müssen wir bei den letzten beiden Weltcups in diesem Jahr die letzten Puzzleteile noch zusammensetzen.“

Heute werden die Kajak-Cross-Entscheidungen der Damen und Herren ausgetragen. Start ist 17.04 Uhr CET. Das deutsche Team ist mit Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach), Andrea Herzog (Leipziger KC), Annkatrin Plochmann (SGV Nürnberg-Fürth), Stefan Hengst (KR Hamm) und Felix Sachers (Leipziger KC)

WM USA: Platz fünf für Ricarda Funk

Die Enttäuschung stand Tokio-Olympiasiegerin Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach & KSA) ins Gesicht geschrieben. Platz fünf für die Rheinländerin. „Ich bin an für sich sehr gut im Lauf drin gewesen. Ich war im Modus, ich war auf Angriff gepolt. Leider habe ich den ersten entscheidenden Move nicht exakt getroffen und habe direkt dort Zeit verloren. Ich finde aber, dass ich wieder gut zurück auf die Linie gefunden habe“, sagte die 34-Jährige, der am Ende 0,78 Sekunden auf Bronze fehlten. „Es tut weh. An für sich hatte ich mich gut gefühlt.“ In Hinblick auf das Sammeln der Punkte für den Olympia-Quotenplatz könne sie zufrieden sein, „aber im Hinblick auf die Weltmeisterschaft habe ich schon auf eine Medaille geschielt. Und ich denke schon, dass auch eine Medaille hätte drin sein können.“

Die WM ist für Funk aber noch nicht vorbei. Am letzten WM-Tag steht noch Kajak-Cross an. „Dann heißt es, Ellenbogen ausfahren und kämpfen, was das Zeug hält“, konnte die Rheinländerin dann doch noch mit einem kleinen Lächeln sagen.

Alle anderen Kajakboote waren vorzeitig ausgeschieden

Große Enttäuschung hingegen im deutschen Kajak-Herrenbereich. Die deutsche Nummer eins der Herren, Noah Hegge (KS Augsburg), ist nach einer zumindest umstrittenen Juryentscheidung wegen eines angeblich nicht korrekt befahrenen Tores, verbunden mit 50 Strafsekunden, als Halbfinal-23. (+50,86 Sekunden) ausgeschieden. Dabei zeigte der 27-Jährige einen sehr guten Lauf, schien zunächst sicher im Endlauf. Deutschland legte Einspruch ein, dem allerdings nicht stattgegeben wurde.

Cheftrainer Thomas Apel fand zu dieser Entscheidung deutliche Worte: „Ich muss auf Deutsch gesagt feststellen: Wir wurden verarscht. Wir wurden einer Medaillenchance beraubt. Es war sehr, sehr schwer nachzuvollziehen, wie die Regelauslegung der ICF vonstattenging. Solche Situationen wie bei Noah an Tor elf passieren an einem Wettkampfwochenende wahrscheinlich 50 Mal. Jetzt wurde im Halbfinale der Kajak dort angefangen“, ein weiterer Paddler hat genau an diesem Tor auch die Höchststrafe bekommen. „Das war schon ziemlich schwer zu verdauen. Da bin ich auch noch mächtig angefressen.“

Für alle weiteren deutschen Kajakboote war auch im Halbfinale Schluss. Emily Apel (Kanu Schwaben Augsburg) wurde ebenso eine 50-Sekunden-Strafe wegen eines nicht korrekt befahrenen Tores zum Verhängnis. Im Gegensatz zu Hegge war dieser Fehler allerdings eindeutig. Die talentierte Paddlerin war sehr schnell unterwegs, findet meist eine sehr gute Linie im Wasser. Jedoch die Strafsekunden sind ihre Achillesferse. So auch diesmal: Insgesamt waren es 54. Am Ende bedeutete es diesmal Rang 26 für die 23-Jährige.

Stefan Hengst (KR Hamm) kam zwar ohne Berührung durch den schwierigen Stangenparcours, allerdings blieb der 30-Jährige einige Walzen und Wellen hängen. Platz 18 für ihn. Gleich hinter ihm rangierte sich WM-Debütant Christian Stanzel (Augsburger KV) ein. Abschnittsweise zeigte der 21-Jährige einen guten Lauf, hatte am Ende jedoch sechs Strafsekunden im Gepäck.

In der Qualifikation bereits am Dienstag ausgeschieden war Annkatrin Plochmann (SGV Nürnberg-Fürth.

Insgesamt fällt das Fazit des Cheftrainers durchwachsen aus. „Ich denke, wir haben sehr gute Leistungen gesehen. Wir können uns, glaube ich, keine Vorwürfe machen, in der Vorbereitung Fehler gemacht zu haben“, sagte er. Neben der Finalteilnahme von Funk habe Emily Apel einen beherzten Halbfinallauf gezeigt „und dann war der Kopf wirklich einmal zu kurz. Mit der 50-Strafsekunde können wir leben.

Bezüglich der Olympia-Quotenplätze zeigte sich Apel jedoch noch recht entspannt. „Man darf jetzt auch nicht in Panik verfallen.“ Mit Platz fünf für Funk liege man im Soll – sechs Nationen bekommen 2027 einen Quotenplatz. Mit der Regelung, dass es fünf Wertungen aus neun Rennen gibt, „muss man konstatieren: Die Kajak-Männer haben ihr erstes Streichergebnis schon dabei. Aber gerade mit den gezeigten Leistungen von Noah muss man das Positive mitnehmen und weiter hart arbeiten.“

Live-Ergebnisse: https://www.canoeicf.com/canoe-slalom-world-championships/oklahoma-city-2026/results

Marianne Stenglein / Kanu Schwaben / 25.7.2026 Text und Fotos Uta Büttner

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