Kanuslalom - Am Freitag beginnt der Kampf um die Plätze in der Nationalmannschaft
Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen, startet der Kampf um die Quotenplätze im Kanuslalom und Kajak-Cross für Los Angeles 2028.
Die Olympia-Qualifikation startet in dieser Saison – Am Freitag beginnt der Kampf um die Plätze in der Nationalmannschaft
In diesem Jahr gibt es einen neuen Qualifikationsmodus für die Olympischen Spiele. Und mit Thomas Apel hat ein neuer Cheftrainer die Fäden in der Hand.
In dieser Saison, erstmals zwei Jahre vor den Olympischen Spielen, startet der Kampf um die Quotenplätze im Kanuslalom und Kajak-Cross für Los Angeles 2028. Der Internationale Kanuverband (ICF) hat ein komplett neues Qualifikationssystem festgelegt. Demnach müssen sich die Länder ihre Quotenplätze über eine Olympia-Rangliste, kontinentale Qualifikationswettkämpfe und eine globale Qualifikationsrunde sichern. Die ICF erklärt: „Da bei großen Wettkämpfen Qualifikationspunkte zu vergeben sind, wird der Einsatz in den Jahren 2026 und 2027 steigen, was zu einer höheren Beteiligung, einem stärkeren Teilnehmerfeld und einem gesteigerten Interesse während des gesamten Olympiazyklus führen wird“.
Im Mittelpunkt des neuen Systems steht die Olympia-Rangliste. In neun, bereits festgelegten Wettkämpfen werden maximal die fünf besten Ergebnisse jedes Athleten gewertet, um die endgültige Olympia-Rangliste zu ermitteln. Die über die Olympia-Rangliste vergebenen Quotenplätze werden mit einer Begrenzung auf einen Platz pro Nation und Disziplin zugeteilt. Ein Athlet kann nur einen Quotenplatz für sein Land erhalten. Sobald dies erreicht ist, kommt er nicht mehr für weitere Quotenplätze in Betracht.
Der Wertungszeitraum läuft vom 20. Juli 2026 bis zum 3. Oktober 2027, wobei Punkte an einzelne Athleten bei jedem Wettkampf der Olympischen Rangliste vergeben werden, darunter die ICF-Kanu-Slalom-Weltmeisterschaften 2026 und 2027 sowie sieben Weltcups über zwei Saisons hinweg. Für jede olympische Disziplin gibt es eine eigene Rangliste.
Ein Problem dabei ist, dass die Punkte personengebunden sind. Ein Beispiel: Würde im Kajak-Einer der Damen beispielsweise Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) 2026 die meisten Punkte einfahren und 2027 aus irgendeinem Grund nicht starten können, gehen diese Punkte für Deutschland quasi verloren, denn für einen Quotenplatz dürfte es dann nicht reichen. Falls zwar beispielsweise Elena Lilik (KS Augsburg) theoretisch mit ihrer Punktzahl den Quotenplatz im Kajak-Einer holen würde, aber zuvor bereits im Canadier-Einer einen Platz für Deutschland geholt hat, bekommt Deutschland diesen nicht zugesprochen.
Jedoch bedeutet diese Personengebundenheit auch, dass Nachwuchskader in den kommenden zwei Jahren schlechtere Karten haben. Denn, um nahezu sicherzustellen, dass Athleten mit vielen im Jahr 2026 gesammelten Olympia-Quali-Punkten auch 2027 zum Nationalteam gehören, bekommen diese für die nationale Qualifikation im nächsten Jahr viele Bonuspunkte.
Das deutsche Trainerteam ist enttäuscht über dieses neue Qualifikationssystem, da damit die Nachwuchsförderung auf zwei Jahre behindert wird. Entsprechend habe man geplant, um auch Jüngeren Einsatzchancen zu geben. So werden einige, nicht zur Olympia-Qualifikation gehörende Wettkämpfe, von großen Teilen des A-Teams nicht besetzt werden. Dazu gehören dann vermutlich auch die Europameisterschaften im italienischen Ivrea.
Neue Nominierungskriterien für deutsche Nationalmannschaft
Statt der 2025 im Kanuslalom ausgetragen sechs Wertungsrennen, werden in diesem Jahr acht ausgetragen, wobei die beiden schlechtesten Platzierungen nicht in die Wertung eingehen.
Im Kajak-Cross kann sich diesmal niemand über die Qualifikation im Kajak-Einer automatisch auch für Kajak-Cross vornominieren. Alle Plätze für das National-Team in dieser Disziplin werden über die Qualifikationswettkämpfe im Cross vergeben.
Wer am Ende zur WM nach Oklahoma City (USA) fahren darf, hängt nicht nur von den Platzierungen bei der nationalen Qualifikation ab, auch ein entsprechender, vom DKV geforderter Leistungsnachweis muss erbracht werden. Zudem bedarf es am Ende der offiziellen Nominierung durch den DKV.
Vorbereitung auf die Saison
Die Vorbereitung auf die neue Saison lief nach Plan, wie der neue Cheftrainer Thomas Apel sagte. „Die Lehrgänge in Dubai und Pau in Vorbereitung auf die Saison sind sehr gut verlaufen. Es herrscht ein sehr gutes Klima im Team“, sagt Apel. Einzig der zweifache Olympia-Medaillengewinner und Weltmeister von 2022, Canadierspezialist Sideris Tasiadis (KS Augsburg), konnte nach seiner Ellbogenverletzung – die zur WM-Absage geführt hatte – im vergangenen Jahr bisher noch nicht in vollem Umfang trainieren, wie der Athlet mitteilt. Sein Ellbogen sei inzwischen soweit ganz gut, sagt der 35-Jährige. „Ich bin natürlich nicht ganz so fit wie die anderen, weil ich mit dem Trainingseinstieg später angefangen habe und ein paar Trainingsinhalte erst später einbauen konnte.“ Härtere Trainingseinheiten seien nur punktuell möglich, „aber nicht in dem Maß, wie die anderen es machen können“. An der nationalen Qualifikation werde er aber auf jeden Fall teilnehmen. Klares Ziel sei, auch 2026 zum Nationalteam zu gehören.
Spannende nationale Qualifikation zu erwarten
Mit dem Karriereende von Hannes Aigner (Augsburger KV) gibt es einen starken Kajak-Paddler weniger – eine gute Chance also für die Nachwuchssportler. Spannend wird auch sein, wie sich die Deutschen im Kajak-Cross weiterentwickelt haben. Beispielsweise sorgte Canadierspezialistin Andrea Herzog (Leipziger KC) mit ihren Ergebnissen in dieser, für sie sehr neuen Disziplin für ein Achtungszeichen. Auch begeisterte ihr Klubkamerad, der 19-jährige Niels Zimmermann mit seinem Auftreten im Canadier. Können in dieser Saison weitere junge Talente folgen? Es wird spannend.
Terminplan 2026:
|
24. – 26. April |
Nationale Qualifikation Teil 1 in Markkleeberg (LK/U23/U18) |
|
|
1. – 3. Mai |
Nationale Qualifikation Teil 2 in Augsburg (LK/U23/U18) |
|
|
29. – 31. Mai |
1. WC Ljubljana-Tacen (Slowenien) |
|
|
5. – 7. Juni |
2. WC Prag (Tschechien) |
|
|
12. – 14.Juni |
3. WC Augsburg (Deutschland) |
|
|
20. – 25. Juli |
Weltmeisterschaften Oklahoma City (USA) |
OQ |
|
4. – 6. September |
4. WC Vaires-sur-Marne (Frankreich) |
OQ |
|
11. – 13. September |
WC-Finale La Seu d‘Urgell (Spanien) |
OQ |
|
24. – 26. September |
Europameisterschaften Ivrea (Italien) |
|
|
2. – 4. Oktober |
Deutsche Meisterschaften in Markkleeberg (Deutschland) |
|
OQ = Wettkämpfe für Olympia-Qualifikation
Nationale Quali Markkleeberg: https://slalomevents.de/2026-dkv-sichtung/
Nationale Quali Augsburg: https://www.eiskanal-augsburg.de/kanu-veranstaltungen/dkv-quali-kanuslalom/
Marianne Stenglein / Kanu Schwaben Augsburg / Presse / 22.04.2026 /Text DKV Uta Büttner


